12.01.2021: Eine Schulstunde mit Prof. Dr. Dr. Klaus Hurrelmann – Schüler/Innen diskutieren mit bekanntem Bildungsforscher

Die Schritte und Stimmen hallen durch das große Forum des Schulzentrums Nord. Hier, wo für gewöhnlich bis zu 450 Personen ihren Platz bei diversen Veranstaltungen finden können, sind nur drei Lehrer damit beschäftigt die letzten Vorbereitungen für eine Veranstaltung der außergewöhnlichen Art zu treffen. Normalerweise würde jetzt im Vormittagsbereich an/am der Heinrich-von-Kleist Schule/Heinrich-von-Kleist-Gymnasium der Onlineunterricht in den verschiedenen Fächern der gymnasialen Oberstufe stattfinden. Homeschooling oder Distanzlernen, wie es so schön heißt, aber nicht an diesem Dienstag. Heute, am 12.01.2021, warten ca. 80 Schülerinnen und Schüler der Pädagogikkurse der Qualifikationsphase, sowie zahlreiche Eltern und Kolleginnen und Kollegen daheim an ihren Laptos, Desktops und Tablets darauf, dass es um 10 Uhr los geht.

Klaus Hurrelmann wird erwartet, coronabedingt zwar nicht auf der Bühne, aber in einer Online-Veranstaltung, um über aktuelle schulpolitische Themen zu sprechen und zu diskutieren.

Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Hurrelmann ist ein bekannter Bildungsforscher und momentan Professor of Public Health and Education an der Hertie School – The University of Governance in Berlin – und sein theoretischer Ansatz ist seit Jahrzehnten Gegenstand zahlreicher schriftlicher und mündlicher Abiturprüfungen und fester Bestandteil der schulischen Curricula der Oberstufe für das Fach Erziehungswissenschaft.

Um 10 Uhr ist es dann soweit, Klaus Hurrelmann schaltet sich dazu. Nach ein wenig Smalltalk beginnt er seinen Vortrag über sein Modell der produktiven Realitätsverarbeitung, in dessen Zentrum der Jugendliche steht, der zahlreichen Anforderungen und Erwartungen gerecht werden muss.

Hurrelmann schildert, was ihn antrieb in dieser Richtung Forschung zu betreiben, mit welchen Theorien er sich auseinandergesetzt hat, um schließlich sein Modell zu erläutern. Die Jugendlichen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie sich als nächste Generation für die Genese der Gesellschaft mit verantwortlich zeichnen.

Genau dieser Aspekt macht die Veranstaltung für die Schülerinnen und Schüler auch so interessant, es betrifft sie selbst, sie können sich in den Aussagen wiederfinden und ihr eigenes Sein unter dieser speziellen theoretischen Lupe betrachten.

Schülerherz, was willst du mehr?!

Dr. Hurrelmann schildert in diesem Zusammenhang besonders die Entwicklungsaufgaben der Jugendlichen: Qualifizieren – Binden – Konsumieren – Partizipieren und inwieweit persönliche Lebensumstände Einfluss auf die Qualität der Lösung dieser Aufgaben nehmen.

Einen besonderen Schwerpunkt setzt er dabei auf die Schule im Rahmen eines Unterstützungsnetzwerkes, da die momentane Situation mit Distanzlernen im Rahmen der Coronapandemie die Ungleichheit im Sozialen und im Bildungsbereich verschärfe. Schule müsse Wege finden in Krisenzeiten, aber auch für danach, alle Kinder mit Bildung zu erreichen und die Ungleichheit nicht noch weiter zu verschärfen. Hier kommt den verschiedenen Bildungsinstitutionen vom Kindergarten bis zur weiterführenden Schule eine besondere Funktion zu, erläutert Hurrelmann.

Initiiert wurde das Projekt von der Schülerin Alena Ljustaku, die im Mai ihr Abitur machen wird.

„Die Idee kam mir, nachdem wir im Unterricht einen zusammenfassenden Beitrag zu Hurrelmanns Theorie gesehen haben“ sagt sie. „Dort hat Herr Hurrelmann geschildert, dass er jede Emailanfrage beantworten würde, also habe ich einfach mal angefragt, ob er Interesse hätte und er hat sofort zugesagt“ erklärt sie.

Alena hatte dann auch bei der Durchführung der Veranstaltung eine zentrale Rolle, gemeinsam mit ihrer Mitschülerin Neele Siegert.

Zusammen entwarfen die beiden Schülerinnen der Q2 des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums ein utopisches Modell von Schule, welches Bildungsungerechtigkeit verhindern könnte und stellten dieses in der Veranstaltung vor.

„Dieses Konzept sei ein fantastisches Beispiel, wie Schule heute gedacht werden müsse“, lobte dann auch der emeritierte Professor der Universität Bielefeld.

„Er hoffe,“ so der Bildungsforscher weiter, „dass einzelne Elemente des Konzepts in dem Schulneubau realisiert werden können“ und „er sich schon freue diesen bei der Eröffnung zu besichtigen.“

Abschließend fanden die vor Ort anwesenden Kolleginnen und Kollegen, Frau Kossmann und Herr Kulosa, die bei den Vorbereitungen zur Übertragung technischen Support geleistet hatten, dass die Veranstaltung ein Lichtblick schulischen Leistungsvermögens in Coronazeiten gewesen sei und inhaltlich zu den besten „Bildungs“-veranstaltungen der vergangenen Zeit zu zählen sei, da auch ausreichend Raum für Diskussion und Fragen zur Verfügung gestanden habe.

Nach ca. 100 Minuten war die außergewöhnliche Schulstunde dann zu Ende, wird aber allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben.

Auch die Bochumer WAZ berichtete über diese Veranstaltung. Den Artikel finden Sie hier zum Download: bochum-bekannter-forscher-hurrelmann-diskutiert-mit-schuelern-id231365145.html