Erprobungsstufe

Zu uns, an das Gymnasium, kommen jedes Jahr im August, also zu Schuljahresbeginn, Grundschulkinder – die Betonung liegt auf Kinder – voller Neugier, Erwartung und Ungeduld auf das, was sie erwartet: eine Vielzahl neuer Fächer, neue Lehrkräfte, neue Klassenkameraden und ein viel größeres, anfangs labyrinthisch erscheinendes Schulgebäude.

Sie kommen meist mit sehr viel Selbstvertrauen und einer Portion Gläubigkeit.

Damit beginnen sie einen langen Weg von mindestens 8 Jahren, der sie durch Pubertät (und teilweise handfeste Flegeljahre) hinführen soll zum Abitur, mit dem in der Tasche dann selbstbewusste junge Erwachsene die Schule hinter sich lassen, um sich Berufsausbildung oder Studium zu widmen.


Die meisten von diesen Kindern haben unsere Schule schon im Dezember bei „HvK stellt sich vor“ kennengelernt, haben Schnupperunterricht mitgemacht und unsere unterschiedlichen Fachbereiche gesehen. Sie verlassen sich (meist) auf die Empfehlung der Grundschule und vor allem ganz auf den Wunsch ihrer Eltern, und sie selber wollen natürlich auch aufs Gymnasium. Und da sind sie nun – in der Grundschule eben noch die stolzen Größten, die Ältesten – plötzlich wieder die Kleinsten. Die Erprobungsstufe, mit dem 5.und 6. Schuljahr die erste Etappe auf dem langen Weg, knüpft an der Arbeit der Grundschule an, bemüht sich um Angleichung der (durch die unterschiedlichen Grundschulen teilweise) unterschiedlichen Voraussetzungen und befähigt die Kinder zu zunehmend selbstständigem Lernen, dem Lernen und Arbeiten auf dem Gymnasium.
Ganz wichtige Personen beim Prozess des Förderns und Forderns sind auf der schulischen Seite die Klassenlehrer/Innen, die ersten Wegbegleiter ins neue Terrain. Durch ihre Arbeit wachsen in den ersten Schulwochen Individuen zu einer Klasse mit gemeinsam erarbeiteten Verhaltensregeln zusammen, wird soziale Integration geleistet. Sie werden natürlich unterstützt durch die ebenfalls in der Klasse unterrichtenden Fachkollegen/Innen, sie beraten sich mit den Grundschulkollegen/Innen, die den Werdegang ihrer Schützlinge in der Erprobungsstufe mit ihrem Interesse begleiten und deshalb an den Erprobungsstufenkonferenzen teilnehmen; sie halten den Kontakt mit den Elternhäusern und informieren über Erfolg und auftretende Schwierigkeiten bei den Elternsprechtagen bzw. Elternstammtischen.
Ergänzt und erleichtert wird diese Arbeit durch besondere Maßnahmen innerhalb der Erprobungsstufe auf der HvK.
Die erste Schulwoche folgt einem besonderen Stundenplan, sie ist als Einführungswoche in die neue Schule konzipiert; die Kinder lernen erst einmal die Klassenlehrer/Innen kennen, die Kernfächer, das Gebäude, die Paten, sie frühstücken mit Eltern und Lehrern gemeinsam und sie machen, als Abschluss der Woche, einen kleinen Ausflug.
Der Mathematikunterricht folgt – und das nicht erst seit „Pisa“- modernen Prinzipien der Anwendungsorientierung.

Ende November wird es einen Freitagnachmittag lang jeweils ganz weihnachtlich im HvK-Forum, wenn die Klassen der Erprobungsstufe für den Adventsbasar ihre Verkaufstische aufbauen und stolz präsentieren, was sie gemeinsam, in größeren oder kleineren Gruppen, gebastelt und gebacken haben. Der Erlös dieses Vormittags fließt dann sowohl karitativen Zwecken als auch der Ausstattung unserer Schule zu. Und dann, nicht zu vergessen, die Borkumfahrt im 5. Schuljahr! Für jeweils eine Woche sind zwei unserer 5. Klassen gemeinsam auf der Nordseeinsel Borkum. Das heißt aufregende Tage (und Nächte) im CVJM-Heim, am Strand beim Muschelsuchen, bei der Wattwanderung, auf dem Leuchtturm, bei der Katamaran- oder Fährfahrt und und und… bis dann, 5 Tage später, müde, aber glückliche Kinder auf dem Schulhof aus dem Bus steigen und von ihren Eltern in Empfang genommen werden.
All dies ist derzeit Bestandteil unseres Schulprogrammes, Teil Erprobungsstufe, und hat sich durchaus schon bewährt. Dennoch ist hier das Wort „derzeit“ sehr wichtig, denn uns ist klar, dass das reine Festhalten an Bewährtem auch hier sehr schnell zur Erstarrung führen kann. Wir wollen und müssen offen bleiben für neue Probleme, neue Antworten auf neue Fragen finden, um neuen Schülergenerationen mit ihren jeweilig unterschiedlichen Bedürfnissen zu begegnen, sie zu begleiten und zu fördern. Der sinnvolle Umgang mit den elektronischen Medien, die Einübung konfliktvermeidender Verhaltensformen und die Wiederentdeckung bzw. Förderung der Leselust seien hier nur als Beispiele für aktuelle Herausforderungen genannt.
Nur so können wir bleiben, was wir täglich neu versuchen zu sein – eine lebendige und gute Erprobungsstufe, die positive Weichen stellt für eine erfolgreiche Schullaufbahn an einer Schule von heute für erfolgreiche junge Menschen von morgen – an der guten „alten“ HvK.